Esoterik

Die Wunderwelt der Esoterik, 1. Juni 2005, 22:15 Uhr

Wer am Mittwoch Abend noch nicht gar zu müde war, ist vielleicht 22:15 Uhr beim ZDF endlich einmal so richtig über die Esoterik, Wunder und Phänomene aufgeklärt worden.
Herr Bublath – (v)erklärter wissenschaftlicher Hardliner – versprach,  innerhalb von 30 Minuten(!) “mit eindrucksvollen Bildern eine Bewertung aus wissenschaftlicher Sicht vorzunehmen” und uns darüber aufzuklären, “ob es tatsächlich so viele Wunder gibt”.
(Die Links zum ZDF-Programm sind leider nicht mehr abrufbar – schade…)
Zu diesem Zweck griff er sich recht wahllos einige Themen der “esoterischen Szene” heraus, um sie dann – durch eine entsprechende Auswahl an Material – grundsätzlich (!!!) als  Täuschung zu entlarven oder der Sinnlosigkeit zu überführen.
Die Pausen zwischen den einzelnen Beiträgen nutzte er für ein paar knoff-hoff-Experimente, um zu zeigen, dass mit Physik und Chemie und ein paar Taschenspielertricks doch alles zu erklären sei.
Gratulation – das nenn ich wissenschaftlich… Zeit für einen offenen Brief 🙂

Sehr geehrter Herr Bublath,
wer eine wissenschaftliche Sicht verspricht, sollte sich grundsätzlich auch an eine wissenschaftliche Herangehensweise halten. Diese ist aber nicht gegeben, wenn die “Beweisführung” einzig und allein darin besteht, einige Fallbeispiele möglicher oder erwiesener Täuschung als allgemein gültig darzustellen. Wer nach eingehender Untersuchung der Lieblingsnudeln auf seinem eigenen Teller behauptet, dass Nudeln grundsätzlich weiß sind und sein müssen, fällt mit seinem “Beweis” bereits dann auf die Nase, wenn es auf einem anderen Teller grüne Spinatnudeln gibt.
Über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen, ist keine Empfehlung, sondern ein Anspruch an eine wissenschaftliche Analyse.
Wer bei dem heutigen Forschungs- und Wissensstand Homöopathie und Bachblüten als Placebo abtut, “weil das ja eh bloß Wasser ist und man da nix messen kann”, bezweifelt vielleicht auch den Film auf einer DVD, “weil die silbernen Scheiben ja alle gleich aussehen und auf dem Plattenspieler auch nicht funktionieren”…
Kennen Sie die Bücher von Herrn Emoto? Links dazu finden Sie am Ende dieser Seite.
Bei gründlicher Recherche hätten sich Ihnen nicht dutzende, sondern hunderte Fälle und Dokumentationen “wissenschaftlich nicht erklärbarer” Phänomene aufgetan, bei denen Schwindel und Täuschung ausgeschlossen wurden.
Als kleinen Einstieg hierzu empfehle ich Ihnen die Bücher und Filme (als DVD und VHS erhältlich) von Clemens Kubi. Stellvertretend für viele andere möchte ich hier auch die Autoren Harald Wiesendanger und Alfred Stelter erwähnen. Beide haben sich bei ihren Recherchen wesentlich mehr Mühe gegeben, als Sie, Herr Bublath. Dort finden Sie von Ärzten und Wissenschaftlern dokumentierte und sorgfältig untersuchte Fallbeispiele, die dem heutigen Stand des Wissens (scheinbar) widersprechen. Sie wissen schon – die grünen Spinatnudeln…
Um Ihnen langes Suchen zu ersparen, habe ich auch hierzu ein paar Links am Ende dieser Seite eingefügt…
Auch setzt “wissenschaftliche Analyse” Objektivität, also eine neutrale Herangehensweise voraus, die Sie, Herr Bublath, in Ihrer Sendung leider komplett vermissen ließen. Der ständige (und dazu oft im Kontext fälschliche) Gebrauch von Schlagwörtern wie “Guru”, “Gläubige” oder “Szene” ist alles andere als unvoreingenommen. Dies hat nichts mit Aufklärung oder Information zu tun, sondern ist schlichtweg Stimmungsmache.
Herr Bublath, selten habe ich eine so (bewusst) oberflächlich recherchierte Sendung präsentiert bekommen. Es mag ja für Sie tröstlich sein, für paranormale Phänomene eine mögliche wissenschaftliche Erklärung zu finden. Aber sie vergessen dabei, dass auch und gerade die Wissenschaft immer an den Erkenntnisstand der jeweiligen Zeit gebunden ist.

“Wissenschaft ist die höchst unzulängliche Interpretation von Vorgängen
durch Menschen, die nach Erklärungen suchen.
Sie ist weder die Wahrheit, noch wird sie je richtig sein.”

“Schuster – bleib bei Deinen Leisten”, und Sie, werter Herr Bublath, lieber bei Ihrer interessanten und unterhaltsamen “Knoff-hoff-Show”.
Wer sich eine Meinung über das Wetter machen will, und dazu den Niederschlag mit einem Sieb auffängt, um ihn anschließend mit dem Thermometer zu messen, möge sich nicht beim Wind über fehlende Ergebnisse beschweren.

Mit freundlichen Grüßen
Jens Rosenberger

PraxisAdmin

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